Jahrestagung 2010

Psychologie macht Schule

ABSTRACTS DER REFERATE

Herr Klaus Seifried, Lehrer, Diplom-Psychologe, Psychotherapeut, Berlin
Psychologie für die Schule – Schulpsychologie in Deutschland

In diesem Vortrag werden die Aufgabenfelder von Schulpsychologen in Deutschland vorgestellt: Schulpsychologische Beratung als Unterstützung und Dienstleistung für Schüler, Eltern und Lehrer.
Zentrale Säulen schulpsychologischer Arbeit sind die Lern- und Verhaltensprobleme von Schülerinnen und Schülern, die Erziehungskompetenz der Eltern, die soziale Kompetenz, Arbeitsmotivation und Gesundheit der Lehrerinnen und Lehrer und die Schulentwicklung. Ein Blick auf die Versorgung mit Schulpsychologen in Deutschland zeigt, dass Deutschland im internationalen Vergleich einen deutlichen Entwicklungsbedarf hat. Schule, d.h. Schüler, Eltern und Lehrer brauchen in ihrer täglichen Arbeit mehr Unterstützung durch Schulpsychologen, Sonderpädagogen und Sozialpädagogen.

Frau Dr. Gudrun Schulz-Wensky, Schulpsychologin, Psychotherapeutin, Köln 
Hochbegabt aber Minderleister

Der Vortrag basiert auf Ergebnissen des Projekts "Begabungsförderung", das mit wissenschaftlicher Begleitung von der Universität zu Köln an einer Gesamtschule mit einer Gruppe von hochbegabten Schülerinnen und Schülern - teils Hoch- teils Minderleister - durchgeführt wurde. Es wurde die Frage untersucht, welche Bedeutung Intelligenz, Motivation und Selbststeuerung für den Schulerfolg haben, um eine gezielte Begabungsförderung zu ermöglichen. Theorie und Diagnostik des EntwicklungsOrientierten Selbstmanagements (EOS) des Psychologen Prof. Julius Kuhl waren Grundlage der Überprüfung der Fragestellung. Diese Ergebnisse haben auch Auswirkung auf die Gestaltung von Unterricht.

Frau Cordula Neuhaus, Dipl.-Heilpädagogin, Dipl.-Psychologin, Verhaltenstherapeutin, Esslingen
ADHS

Im Vortrag und im Workshop werden die Symptomatik und die neurobiologischen Hintergründe von ADHS dargestellt. Das funktionelle Verstehen bildet die Voraussetzung für den zielführenden und alltagswirksamen Umgang mit den Kindern und Jugendlichen.
 
 Frau Dr. Arold, Hochschullehrerin, Potsdam
„Beneidenswerte Halbtagsjobber? Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Potsdamer Lehrerstudie“

Auch wenn noch immer die Meinung verbreitet ist, dass sich das Lehrerdasein vor allem durch die Annehmlichkeiten langer Ferien und einer Halbtagsbeschäftigung bei voller Bezahlung auszeichnet, so spricht die Realität eine andere Sprache. Lehrkräfte üben einen der anstrengendsten Berufe aus. Das betrifft insbesondere die psychischen Belastungen des Arbeitsalltages. Rund ein Drittel der Lehrerschaft ist von Burnout bedroht. Das war das alarmierende Ergebnis der 2006 abgeschlossenen Potsdamer Lehrerstudie. Im Vortrag werden die in der ersten Untersuchungsetappe (2000 – 2003) eingesetzten diagnostischen Instrumente erläutert, sowie die Hauptergebnisse der Studie unter Berücksichtigung berufsübergreifender Vergleiche sowie regionaler, geschlechts- und altersspezifischer Unterschiede dargestellt.

Prof. Dr. Klaus A. Schneewind, Diplom-Psychologe, Familientherapeut, München
„Möglichkeiten zur entwicklungsförderlichen Erziehung von Kindern und Jugendlichen“

Ausgehend von aktuellen erzieherischen Herausforderungen, die Eltern im Umgang mit ihren Kindern erleben, wird das Erziehungskonzept „Freiheit in Grenzen“ vorgestellt. Im Einzelnen werden hierzu:
-    die theoretischen und empirischen Grundlagen erläutert,
-    anhand konkreter filmischer Beispiele die Umsetzung für unterschiedliche Altersgruppen demonstriert und
-    erste Evaluationsbefunde dargestellt

 
Workshops

Workshop 1: Frau Cordula Neuhaus, Dipl.-Heilpädagogin, Dipl.-Psychologin, Verhaltenstherapeutin, Esslingen, ADHS

Im Vortrag und im Workshop werden die Symptomatik und neurobiologische Hintergründe von ADHS dargestellt. Das funktionelle Verstehen bildet die Voraussetzung für den zielführenden und alltagswirksamen Umgang mit den Kindern und Jugendlichen.

Workshop 2: Frau Dr. Gudrun Schulz-Wensky, Schulpsychologin, Psychotherapeutin, Köln 
Hochbegabt aber Minderleister

Im Workshop werden die Erfahrungen aus dem Projekt in die Praxis übertragen. Die vier Schwerpunkte im Prozesskreislauf der Handlungssteuerung sind in der Regel nicht gleichmäßig ausgeprägt, was bestimmte Lernschritte leichter oder schwerer macht. In der Förderung werden die Ressourcen genutzt, um schwächer ausgeprägte Bereiche zu entwickeln.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schätzen anhand eines Fragebogens ihre Arbeitsweise ein. Anschließend erarbeiten sie in Gruppen, welche Vorzüge ihre gut ausgeprägten Schwerpunkte haben und wie sie die anderen stärken können.

Workshop 3: Frau Dr. Ute Karnahl, Feldenkrais-Bewegungs-Pädagogin, Gesundheitscoach, Schlaftrainerin, Halle, Störungen umgehen - Mit Störungen umgehen

Im Mittelpunkt stehen zwei Themen. 1. Thema: Wie lassen sich Störungen im pädagogischen Alltag umgehen, d.h. wie können Lehrer dazu beitragen, dass Störungen umgangen werden? 2. Thema: Wie gehen wir mit Störungen seitens der Schüler um? Welche Möglichkeiten ergeben sich im Schulalltag, um Störungen zu erkennen? Gemeint sind hier sowohl die "normalen" Störungen und Disziplinschwierigkeiten, aber auch die zunehmend beklagten Störungen von Konzentration und Aufmerksamkeit. Auf einige Ursachen und Handlungsmöglichkeiten wird eingegangen, untermauert anhand neuer Erkenntnisse aus der Hirnforschung. Elemente aus der Feldenkrais-Arbeit eröffnen kurze Selbsterfahrungsmöglichkeiten.

Workshop 4: Frau Simone Stachel, Psychologielehrerin, Brandenburg
Mobbing in der Schulklasse - Dich machen wir fertig

Vorgestellt wird eine erprobte Lerneinheit zum Phänomen Mobbing in der Schulklasse. Grundlage ist das Jugendbuch „Dich machen wir fertig“ von Wolfgang Kindler. Die Lerneinheit soll eine Möglichkeit aufzeigen, die im Rahmen des Unterrichtsthemas „Gruppenpsychologie“ erworbene Kenntnisse über Gruppenstrukturen und die innere Dynamik einer Gruppe auf den Sachverhalt Mobbing in der Schulklasse zu übertragen. Die Schüler/innen erhalten somit die Möglichkeit, psychologisch begründet Handlungsstrategien zu entwickeln und zu diskutieren, welche sie befähigen könnten, Mobbing zu erkennen, dem Opfer zu helfen bzw. sich selbst zu schützen.  
Gleichzeitig soll der Workshop zur Diskussion darüber anregen, welche Potenzen der Psychologieunterricht bietet, um soziale Kompetenzen, wie Verantwortung füreinander, Empathie und Mitmenschlichkeit bei Schüler/innen zu entwickeln.  .

Workshop 5: Frau Dr. Arold, Dipl.-Lehrerin, Potsdam
 „AVEM-Muster als Ausgangspunkt für Interventionsmaßnahmen“

Das diagnostische Verfahren AVEM kann für vielfältige Fragestellungen im Kontext von Arbeit und Gesundheit eingesetzt werden. Es erlaubt Aussagen über gesundheitsförderliche bzw. -gefährdende Verhaltens- und Erlebensweisen bei der Bewältigung von Arbeitsanforderungen. Damit bietet es sich insbesondere für die Früherkennung gesundheitlicher Risiken sowie die Begründung und Ableitung präventiver Maßnahmen an. Die Ergebnisse des AVEM sind sowohl für personenbezogene Intervention nutzbar als auch für eine gesundheitsfördernde Arbeits- und Organisationsgestaltung. Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Workshop werden in die computergestützte Durchführung und Auswertung des Verfahrens eingewiesen. Es wird die Möglichkeit eingeräumt, die individuellen AVEM – Muster zu erstellen und zu interpretieren. Die vier AVEM-Muster werden grundlegend charakterisiert und darauf abgestimmte Interventionsmaßnahmen aufgezeigt. Abschließend werden die Hauptwege zur individuellen Belastungsbewältigung vorgestellt und diskutiert.
 
Workshop 6: Frau Dr. Ute Karnahl, Feldenkrais-Bewegungs-Pädagogin, Gesundheitscoach, Schlaftrainerin, Halle, Lehrergesundheit

Lehrer sind tagtäglich vielfältigen Belastungen und Anforderungen ausgesetzt. Um unter diesen Belastungen gesund und arbeitsfähig zu bleiben, ist es nötig, aktiv Maßnahmen für die eigene Gesunderhaltung, für Stressabbau, Bewegung und Entspannung zu ergreifen. Dazu hat sich die Feldenkrais-Methode als sehr erfolgreich erwiesen, wie die Kurse des LISA zur Lehrergesundheit in den Jahren 2002-2009 gezeigt haben.
In diesem Workshop wird die Feldenkrais-Methode an praktischen Bewegungsbeispielen vorgestellt sowie Tipps und Ideen für ein Gesundheits- und Stressbewältigungsprogramm gegeben.
Bitte bequeme Kleidung und warme Socken mitbringen!

Workshop 7: Frau Kerstin Isolde Panknin, Dipl. Yogalehrerin, Erfurt
Yoga – Stressbefriedung und Ressourcenstärkung für Lehrerinnen und Lehrer

Theorie: Frei Yoga Praktik – ein Weg zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden
Praxis: Einfache Körper-, Atem-, Geistes- und Entspannungsübungen, die leicht auch in den Schul- und Lebensalltag integriert werden können, zur Entlastung und Aktivierung, Stärkung, Sammlung, Beruhigung und Entspannung
Bitte bequeme Kleidung mitbringen!

Workshop 8: Frau Renate Schrempf, Psychologielehrerin, Besigheim
Stress reduzieren durch ROMPC® - Vorstellen der Methode und der theoretischen Grundlage sowie praktische Übungen.
 
ROMPC®  („Relationship-oriented Meridian-based Psychotherapy, Counselling and Coaching“) ist ein integratives Verfahren zur Stressreduktion und zur Bewältigung von wiederkehrenden Ängsten, das Erkenntnisse der Neurobiologie und Psychotraumaforschung konzeptionell berücksichtigt. Nach Identifikation einschränkender Grundüberzeugungen sollen die durch Stress gestörten Datenverarbeitungsprozesse im limbischen System angeregt werden.
Vor allem die Transaktionsanalyse sowie das Beklopfen ausgewählter Meridianpunkte bilden die Basis der Methode.